Dass man auch ohne pseudomoderne
Einflüsse und Zurückschraubung der Aggression noch mächtig
frisch und innovativ, aber dennoch knallhart und traditionsbewusst klingen
kann, zeigen die Österreicher Soul Devoured mit ihrer neuen Scheibe "Eleven
Deadly Sins". Ihre Musik, die sich irgendwo zwischen Thrash,- Black-
und Heavy Metal befindet, wusste mich vor allem aufgrund der dargebotenen
songwriterischen Fähigkeiten und der ausnahmslos aufregenden Riffs zu
begeistern.
Wem Soul Devoured kein Begriff sind, sollte a) dieses Interview mit Thomas
Schmoll, dem Hauptverantwortlichen, lesen und b) "Eleven Deadly Sins"
kaufen!
Hallo! Wie läuft's derzeit
so mit Soul Devoured?
Ganz gut. Wir hatten Ende Jänner unsere CD-Präsentation und warten
jetzt auf die ersten Reviews diverser Magazine. Die CD ist bis jetzt überall
gut aufgenommen worden und bestätigt, dass sich die harte Arbeit gelohnt
hat.
Euer neues Album "Eleven Deadly Sins" hat schon einige sehr positive
Resonanzen hervorgerufen. Man siehe nur den Beitrag im Rock Hard! Gibt uns
bitte ein paar generelle Infos zu "Eleven Deadly Sins"!
Der Grundstein zu Soul Devoured wurde im Winter 2001 gelegt und sollte
eigentlich nur ein CD-Projekt meinerseits werden. Ich hatte eine Menge Ideen
und tat mich mit Mario Fast (git.), einem ehemaligen Bandkollegen, zusammen.
Wir nahmen Demos unserer Songs auf und gaben sie Andreas Schwarz, den wir
als Sänger am geeignetsten empfanden. Da wir keinen passenden Drummer
fanden und Schlagzeug und Bass auf den Demos schon programmiert waren, blieben
diese für die CD erhalten. Ab Juli 2002 nahmen wir elf Songs (daher auch
der Albumtitel) in meinem Heimstudio auf. Eine frühe Version von "Forces
of Heresy" hat es dann auf den Rock Hard "Unerhört" Sampler
geschafft. Da gut Ding Weile braucht und ich auch die Gestaltung von Homepage
und Booklet übernahm wurde die CD erst heuer im Jänner fertig.
Da ihr ja einen Drumcomputer verwendet, werdet ihr eure Songs ja wahrscheinlich
nicht gemeinsam im Proberaum schreiben. Wie geht ihr vor, um einen Song fertigzustellen?
Mario und ich nehmen Demoversionen der Songs auf und geben sie dann an
Andi weiter. Wenn ein Song noch einen Text braucht, überlegt sich Andi
diesen und arbeitet an passenden Gesangslinien. Falls der Text einer Nummer
von mir kommt, zeige ich Andi im Proberaum, wie ich mir den Gesang vorstelle.
Irgendwann sind dann alle zufrieden und ein Song ist fertig. Mache Songs brauchen
ihre Zeit, "N.D.E." dagegen wurde an nur einem Tag komponiert, getextet
und programmiert.
Warum habt ihr eigentlich keinen richtigen Drummer und wer zum Teufel hat
sich die Arbeit mit dem Drumcompi angetan, der ja mehr als detailverliebt
programmiert ist?
Wie gesagt, es fand sich zu dieser Zeit kein geeigneter Schlagzeuger, was
aber nicht heißen soll das wir in Zukunft auf das Spiel eines echten
Drummers verzichten wollen. Die Drumspuren (und der Bass) wurden von meiner
Wenigkeit programmiert. Ich habe speziell darauf geachtet, dass das Schlagzeug
spielbar und abwechslungsreich wird. Auch bei den Sounds wollte ich es so
realistisch wie möglich gestalten.
Ich schätze mal, eure Einflüsse liegen im guten alten Thrash
Metal. Eure Homepage weist aber bei euch allen auf einen sehr breitgefächerten
Musikgeschmack hin. Ist das der Grund für den Abwechslungsreichtum auf
"Eleven Deadly Sins"?
Da gut 80% der Musik aus meiner Feder stammen, trau' ich mich zu behaupten,
dass gerade Abwechslung eine meiner Stärken ist. Ich bin mit 80er Jahre
Metal (sowohl Thrash als auch Heavy) groß geworden und mein Gitarrenspiel
war immer schon stark melodiös beeinflusst. Genauso aber bin ich ein
Freund von Killerriffs á la Slayer und ich glaube in dieser Kombination
liegt die Stärke unserer CD. Ebenfalls erwähnen möchte ich,
dass wir auch beim Gesang Wert auf Abwechslung legen und auch nicht davor
zurückschrecken, mal klare Stimmen zu verwenden.
Das Album wurde über sechs Monate hinweg aufgenommen. Gehört
euch etwa das Studio oder wie habt ihr euch das sonst finanziert?
"Studio" ist gut gesagt. Die CD wurde größtenteils in
meinem Wohnzimmer über meinen PC aufgenommen, den Gesang haben wir im
Proberaum auf Harddisk aufgezeichnet. Für diese Umstände sind wir
mit dem Sound mehr als zufrieden. Die sechsmonatige Aufnahmezeit resultiert
daraus, dass wir das bestmöglichste Ergebnis wollten... und gekostet
hat uns das außer Nerven nichts.
Auch die Aufmachung der CD ist sehr professionell. Warum habt ihr aber
nicht alle lyrics ins Booklet getan, sondern nur Auszüge? Vom Platz her
wäre sich das ja ausgegangen, oder?
Ja, womöglich schon. Wir wollten einfach nur kleine Appetithappen
unserer Texte im Booklet haben. Die vollständigen Texte kann man auf
unserer Homepage nachlesen. Außerdem sieht man so mehr von dem wunderbaren
Hieronymus Bosch Gemälde.
Damit sind wir auch schon beim nächsten Thema. Eure lyrics scheinen
sehr wohl Hintergründe zu haben. Der interessanteste Text ist meiner
Meinung nach "Conspiracy", in dem es ja um die Mondlandung geht,
die uns laut einiger Dokumentationen nur vorgetäuscht wurde. Was denkt
ihr darüber?
Der Text zu "Conspiracy" stammt aus meiner Feder. Die Medien, speziell
das Internet, liefern eine Menge Material über dieses Thema, wobei man
nicht allen sogenannten Fakten Glauben schenken sollte. Trotzdem bin ich der
Meinung, dass die Amerikaner die Mondlandung nur inszeniert haben. In der
Zeit des kalten Krieges wollte man einfach die Nase vorhaben. Wenn man bedenkt
mit welchen aus heutiger Sicht primitiven Mittel damals Raumfahrt betrieben
worden ist. Außerdem gab es schon über zwei Jahrzehnte keine bemannten
Mondflüge, obwohl die Technik jetzt besser ist. Seltsam...
Die lyrics von "Forests of Misery" erinnern mich sehr an die
von Darkthrone's "Under a funeral Moon". Besteht hier etwa ein Zusammenhang?
Und wer bitte ist Daniela Trimmel, die in diesem Song wirklich mordsaggressiv
herumkreischt?
Daniela "sang" in meiner ersten Band "Tears of Silence".
Der Song "Forests of Misery" war der erste Song, den ich mit unserem
Gitarristen Mario, der damals (1996) auch an Bord war, komponierte. Wir änderten
ein wenig die Songstruktur und fügten noch ein paar Textzeilen dazu,
das lyrische Konzept aber blieb. Daniela wurde damals beim Texten sicherlich
von Darkthrone inspiriert. Auch wenn es auf der CD wesentlich sinnvollere
Texte gibt, stehen wir hinter den Lyrics da sie sehr gut zur Musik passen.
Während des Aufnahmeprozesses kam mir dann die Idee, Daniela die Bridge
in dem Song singen zu lassen. Einer "Gastsängerin" der anderen
Art...
Wie würde ein Soul Devoured Gig aussehen? Werdet ihr möglicherweise
einmal live spielen (oder habt ihr das etwa schon)?
Bis jetzt haben wir noch nicht live gespielt, würden wir auch nur, wenn
wir einen fähigen Drummer hätten. Wir würden wohl so ziemlich
die komplette CD spielen und das ganze mit ein, zwei Covers auflockern. "Pull
the Plug" käme mir da in den Sinn...
Okay, Brainstorming! Bitte gib einen Kommentar zu den folgenden Begriffen
ab!
Österreich: Land der Berge... Ein tolles Land, nur sicher nicht
berühmt für Metal und fähige Politiker
Motörhead: laut, wild, hässlich! Lemmy ist Gott-Stellvertreter
(für Ozzy)
Corpsepaint: Kinderfasching in Norwegen... ;-)
Gesundheit: sollte immer vorgehen, ist ja leider nicht käuflich
erwerblich
So, das war's dann auch schon! Ich danke für das Interview! Hast du
irgendwelche letzten Worte?
Schaut einfach mal auf unserer Homepage http://www.souldevoured.com vorbei
& teilt uns mit was Euch Soul Devoured gefällt oder auch nicht. Ich
möchte dieses Interview mit den Worten von Chuck Schuldiner (R.I.P.)
beenden: "Keep the Metal Faith alive!"
Dem kann ich mich nur anschließen!
Polsi, 2003
<< Zurück >>