SOUL DEVOURED "Eleven deadly Sins"
Die katholische Kirche hat aufgestockt.
Zu den sieben altbekannten Todsünden Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit,
Geiz, Völlerei und Wollust sind vier neue hinzugekommen: boshafte Musik
machen, laut Gitarre spielen, Schreien statt Singen und Death Metal Alben
ohne Drummer und Bassisten einspielen. Doch daran hat sich das Trio Soul Devoured
recht wenig gestört. Mit ihrem ersten Lebenszeichen „Eleven Deadly
Sins“ liefern die Gitarristen Thomas Schmoll und Mario Fast zusammen
mit dem Sänger Andreas Schwarz ein wahres Freudenfest aggressiver Musik
ab.
Die Österreicher haben sich dem melodischen Death/Thrash Metal verschrieben
und wandeln mit ihrer Musik zwischen Kreator, Death und Dark Tranquillity
hin und her. Dabei klingt das Ergebnis weder nach einem Rip Off, noch altbacken.
Soul Devoured sind erfrischend ideenreich und haben genügend Varianz
in den Songs. Damit meine ich nicht nur, dass sie das Tempo stark variieren,
sondern besonders im Songwriting auf Vielseitigkeit setzen. So tauchen beispielsweise
atmosphärische Keyboards in den Songs auf, die Erinnerungen an Cradle
Of Filth wecken. Technisch rangieren Soul Devoured auf einem sehr hohen Niveau.
Fast und Schmoll liefern messerscharfe Riffs und melodische Gitarrenläufe
der Oberklasse ab. Schwarz brüllt, grunzt und schreit markerschütternd,
passt sich zwischen Mille Petrozza und Chuck Schuldiner ein, während
im Hintergrund Freund Drumcomputer die Rhythmusarbeit verrichtet. Ja, Soul
Devoured mussten wegen latentem Drummermangel auf Programmings zurückgreifen.
Doch das macht sich erst bei genauerem hinhören bemerkbar und stört
den Gesamteindruck nur ein wenig. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass
das Trio noch keinen Schlagwerker aus Fleisch und Blut besitzt. Denn eine
Krake zu finden, die diese Songs samt Double Bass und Blast Speed Parts spielen
kann, ist sicherlich nicht einfach.
Bleibt der Band zu wünschen, dass sie endlich einen passenden Drummer
finden und dann live spielen können. Da dürfte es mit dem Plattenvertrag
nicht mehr lange dauern. Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Label
eine reine Studioband mit Drumcomputer aus dem Death/Thrash Bereich signen
wird. Wer auf Death/Thrash mit einer guten Portion Melodik steht, sollte auf
der Bandhomepage vorbeischauen und sich „Eleven Deadly Sins“ für
10 Euro sichern. Viel falsch machen kann der geneigte Hörer bei diesem
Rundling nicht. Dafür sind Soul Devoured zu gut. Songs wie der Brecher
„Forces Of Heresy“ oder “Living Dead”, das Instrumental
„Like a Razor to the Vain“ und das düstere, mit sauberem
Gesang versehene „The Deathlight Corps“ sprechen eine eindeutige
Sprache.
4/5 Punkte
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