SOUL DEVOURED "Eleven deadly Sins"
Erst im Winter 2001 gegründet war schon
im Januar 2003 die Soul Devoured Debütscheibe „Eleven Deadly Sins“
fertig. Die Österreicher aus Wiener Neustadt bieten auf ihrer Eigenproduktion
eine saftige Mischung aus Old School Thrash und melodischem Death Metal. Doch
muss ich zu Anfang gleich mal einen Kritikpunkt äußern: Weder die
Drums noch der Bass wurden hier von Menschenhand gespielt, die gesamte Rhyrhmusfraktion
stammt also aus dem Computer.
Das wars dann allerdings schon mit den negativen Punkten! Beide Instrumente
sind glücklicherweise so gut programmiert, dass man nur bei genauem Hinhören
feststellen kann, dass hier auf technische Hilfsmittel zurückgegriffen
wurde.
Ansonsten kann man mit dieser Scheibe wirklich
ne menge Spaß haben. Nach dem Intro geht’s mit „Forces Of
Heresy“ auch gleich mächtig zur Sache, hier wird die Thrash-Keule
ausgepackt und kompromisslos gerifft bis der Nacken kracht. Doch die Riffs
kommen sehr rhythmusbetont daher, auch wird hier immer viel Wert auf eine
Melodie gelegt. Die zweistimmigen Leads sind ihnen hier auch wunderbar geglückt,
es ist eine wahre Freude hier zuzuhören.
Auch wenn hier durchgehend überaus starker Stoff vertreten ist, ist stellen
das Highlight für mich eindeutig die Tracks 7, 8 und 9 dar. „Like
A Razor To The Vain“ ist ein über vierminütiges Instrumentalstück,
bei dem alle... na ja, so gesehen die beiden Gitarristen und das Computer,
beweisen dass hier ausgezeichnete Musiker am Werk sind. Schon nach etwa einem
Drittel des Songs werden recht balladeske Töne angeschlagen, was eine
willkommene Abwechslung zum Rest des Albums ist. Doch genug der Verschnaufpause,
„The Deadlight Corps“ holt all die „verloren gegangene“
Aggressivität und Härte durch unglaublich schnelles Tempo wieder
rein. Gesanglich gibt’s hier auch mal richtig geile Growls, die leider
viel zu selten eingesetzt werden – mehr davon! Die Vocals sind hier
größtenteils ziemlich fies gekeifte Schreie... Könnte man
vielleicht als eine extremere Ausgabe von Mille Petrozza bezeichnen. Auch
klarer Gesang wird bei den ruhigen Stellen von „The Deadlight Corps“
eingesetzt. Nach diesem sehr abwechslungsreichen und mit 4:48 zweitlängstem
Song der Scheibe gibt’s beim 150 Sekunden kurzem „Forests Of Misery“
das übelste Geknüppel dieses 37-minütigen Rundlings. Vielleicht
sind es solche Songs, die die österreichischen Drummer davon abhalten,
hier mitzuspielen. Dazu gibt’s noch einen Gastbeitrag von Daniela Trimmel,
die auch ein ziemlich kaputtes Organ aufzuweisen hat.
Die Abwechslung ist hier wirklich
großer Trumpf von Soul Devoured, langweilig wird’s hier garantiert
nicht. Da stören auch die programmierten Drums und Bässe so gut
wie gar nicht. In den neun regulären Songs kommt man auch gleich auf
den Punkt, dadurch ist die durchschnittliche Spielzeit von wohl knappen 3
½ Minuten pro Song auch nicht besonders hoch ausgefallen. Aber besser
zwei Hand voll klasse Musik als noch mal so viel belanglosen Müll.
Auch die Produktion ist sehr gelungen, da ist Druck und Power dahinter und
hier werden weder Instrumente noch Gesang in den Vorder- oder Hintergrund
gestellt.
Man darf gespannt sein, ob Soul Devoured nun auch noch einen richtigen Drummer
und Bassisten in ihre Reihen aufnehmen. Wenn ich mir vorstelle, dass dies
mit realer Rhythmusfraktion noch geiler klingen müsste, fallen mir jetzt
schon vor Freude alle Haare aus. 8/10 Punkte
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